Orientierung, die zweite

Nun ist es fast 2 Wochen her, dass ich in Trondheim angekommen bin. Seitdem gestaltet sich das Fahrradfahren wieder ein bisschen anders. Ich fahre zwar dennoch jeden Tag, nun findet sich Karl jedoch neben Artgenossen entweder im Fahrradkeller meines Wohnheimes oder an den Abstellplätzen an der NTNU wieder. Im Vergleich zu Konstanz ist das Fahrradfahren hier definitiv eine sportlichere Angelegenheit: die Stadt ist sehr hügelig. Vom Zentrum, das unten am Fjord liegt bis zu meinem Wohnheim im Stadtteil Moholt überwinde ich knappe 200 Höhenmeter. Noch macht es Spaß, ich bin gespannt, wie sich das im Winter ändern wird. 😀

In meinem rot-gelben Wohnheim habe ich mich mittlerweile bestens eingelebt. Das liegt zu großen Teilen an Theresa, eine meiner sieben MitbewohnerInnen. Wir verstehen uns richtig gut – haben gleich von Anfang an unsere gemeinsamen Interessen am Outdoor-Sport entdeckt und im zweiten Satz herausgefunden, dass Theresa selbst im Sommer eine mehrwöchige Fahrradreise von Rosenheim nach Istanbul unternommen hat. Wohnzimmer und Küche sind geputzt und umstrukturiert, nun kann ich mir gesellige Kochabende schon besser vorstellen.

Derzeit befinde ich mich in der zweiten Orientierungswoche an der NTNU. Letzte Woche hat wenig stattgefunden, neben einem ersten Kennenlernen und der Matrikulationszeremonie war das Programm sehr überschaubar. Das hat sich auch bestens mit dem Besuch von Mama, Papa und Christoph verstanden. Sie sind am Mittwoch mit dem Wohnwagen in Trondheim angekommen und haben meinen Umzug mitgebracht. Neben einigen wichtigen Dingen wie Matratze oder Teppich sind nun auch die wirklich relevanten Gegenstände wie Milchaufschäumer und Soda-Stream eingezogen.

Im Anschluss an den Umzug haben wir dann zu viert noch 3 Tage zusammen mit dem Wohnwagen verbracht und Norwegen erkundet. Wir waren in Innerdalen, dem schönsten Tal Norwegens. Die Wolken und der Regen, den wir dort betrachtet haben, lässt vieles vermuten. Dennoch hatten wir auch Glück und konnten nach ca. 700 Höhenmetern und einem Eisbad von Christoph und mir im Bergsee auch einen freien Blick auf das Tal genießen. Christoph hat sich dann am Sonntag auf seine zweitägige Heimreise nach Deutschland gemacht (inkl. Sightseeing in Oslo und Hamburg), Mama und Papa haben ihre Reise auf die andere Seite des Fjordes fortgesetzt und ich versuche herauszufinden, wie schnell ich es mit dem Fahrrad an die Uni schaffe.

In meinem Studiengang „Urban Ecological Planning“ sind wir circa 27 Studierende aus aller Welt. Neben drei NorwegerInnen bin ich die einzige Deutsche. Meine Kommilitoninnen kommen aus den USA, Mexico, Chile, China, Iran, Bangladesch und Indien. Wir alle haben unterschiedliche Hintergründe, haben teilweise schon gearbeitet oder einen anderen Master gemacht. Der Mix ist unglaublich spannend und der Austausch sehr bereichernd. Am Ende der dritten Orientierungswoche in KW35 werden wir dann auch in unsere Projekte eingeführt. Diese werden aufgrund von Covid nicht in Nepal, Uganda oder Indien durchgeführt, dafür in diesem Jahr in Trondheim selbst. Es handelt sich um drei Stadtteile, bzw. Quartiere in Stadtteilen, in welchen wir an die Umsetzung nachhaltiger Stadtplanung gehen. Die Projektarbeit wird von zwei Vorlesungen, welche montags und freitags stattfinden, gerahmt. Beim nächsten Mal kann ich sicher mehr berichten, noch wird die Spannung unserer Professoren (die hier alle beim Vornamen genannt werden) hochgehalten. Auf einem der Bilder könnt ihr das „Studio“ sehen – ein Raum der ganz unserer Klasse gehört und den wir gestalten und nutzen können, wie wir möchten. Total gut!

Die NTNU bietet echt eine kaum überschaubare Vielzahl an Möglichkeiten. Allen voran ist für mich vorallem der NTNUI, der Sportbereich, am reizvollsten. Von Quidditch über Langlauf und Schach kann man hier alles mitmachen. Darüber hinaus gibt es eigene Hütten in der Umgebung. Als Mitglied kann man diese für ca. 5€ pro Person buchen – deswegen sind Theresa und ich heute um 6 Uhr aufgestanden. Denn das Büro öffnet um 8 Uhr und die Erfahrungen von first come, first serve beweisen, dass der frühe Vogel den Wurm fängt.

Ich bin total glücklich, endlich hier zu sein und ein Leben aufzubauen. Der Besuch meiner Familie hat mir wieder einmal gezeigt, wie atemberaubend schön dieses Land ist. Nun habe ich die Möglichkeit, Land und Leute in aller Ausführlichkeit kennen zu lernen. Darauf freue ich mich sehr!

Herbstliche Grüße, viel Gesundheit und alles Gute aus Norwegen, Eure Anne

Bei Interesse könnt ihr hier auch den dritten und letzten Artikel meiner Reise im Südkurier lesen: https://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/23-tage-2250-kilometer-radelt-eine-konstanzer-studentin-fuer-den-guten-zweck-jetzt-ist-sie-am-ziel-und-hat-feuer-gefangen;art372448,10896352

Ein Kommentar zu “Orientierung, die zweite

  1. Ich folge Deine Blog sehr gern. Habe die erste Bericht in SK Zeitung gelesen. Wir sind in Alanya 9 Monate und in Konstanz Juni Juli August. Wir haben mehrere Freunde hier aus Norwegen 🇳🇴 also viel Spaß und Erfolg mit deine Studium
    Gruß George Lewis

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