Schon die erste Weihnachtsfeier

Passend zur Dunkelheit und glatten Straßen war ich am Wochenende auf der ersten Weihnachtsfeier (Norwegisch: Julebord) der Saison. Als Mitglied des Social Committees der Unisport-Laufgruppe habe ich diese mitorganisiert. Auf der “Studenterhytta“ haben wir nach einem leckeren Weihnachtsdinner getanzt, gespielt und die Sauna genossen. Die Hütte wird seit über hundert Jahren von und für Studierende betrieben und liegt in Bymarka. Neben Estenstadmarka, direkt bei mir um die Ecke, ist Bymarka ein weiteres Waldgebiet und Naherholungsgebiet der TrondheimerInnen.

Bereits am Wochende zuvor sind schon weihnachtliche Gefühle aufgekommen. Mit einigen Klassenkameraden aus Chile, Mexiko, Indien und den USA habe ich die Fähre auf die andere Seite des Trondheim Fjord genommen. Von dort sind wir losgewandert, zuerst durch nasse Wälder bis wir dann über der Baumgrenze in der Winterlandschaft unterwegs waren. Den Abend und die Nacht haben wir gemütlich auf einer der NTNUI Hütten, den für Gruppen buchbaren Hütten des Unisports verbracht. Auf dem Rückweg haben wir bei einer sonnigen Pause Trondheim auf der anderen Seite des Fjordes im Nebel liegen sehen und uns entschieden, eine Fähre später zu nehmen.

Den international Lunch haben wir als Tradition im Studiengang bereits im August begonnen. Einmal pro Monat bringt jedeR eine Speise aus dem Heimatland mit. Den letzten International Lunch haben wir im Rahmen des hinduistischen Festival des Lichtes: dem Diwali-Festival zelebriert. Meine nepalesischen und indischen KlassenkameradInnen haben sich große Mühe mit der Dekoration gegeben und Angela hat den Mädels einen Bindi mitgebracht. Das ist der typische Kopfschmuck, welcher aufgemalt oder aufgeklebt auf der Stirn zwischen den Augenbrauen angebracht wird.

Die unibedingt stressfreiere Zeit im Oktober habe ich noch für einen Besuch in Aalborg (Dänemark) und Göteborg (Schweden) genutzt. Zwei meiner besten Freundinnen Lou und Vera wohnen und studieren derzeit in den beiden Städten. 16 Stunden (einfache) Reisezeit und drei verschiedene Verkehrsmittel (Zug, Bus und Fähre) haben mir einen wunderschönen und wohltuenden Kurzurlaub verschafft.

Das Studium läuft soweit – ich habe sehr viel zu tun. Jetzt stehen die letzten beiden Vorlesungswochen an, und mit dem Ende der Vorlesungen, beginnt auch eine kleine Flut an Abgaben. Vielleicht auch ganz gut sehr viel zu tun zu haben. Mittlerweile verlieren wir nämlich eine halbe Stunde Tageslicht pro Woche. Die Sonne steht so tief, dass man sich mittags um 12 geblendet fühlt und durch die Hügel um Trondheim herum, beginnt schon um viertel vor 3 die Dämmerung. Ich musste auch (Schweren Herzens) in ein Busticket investieren, da sich die Straßen in rutschige Flächen verwandelt haben. Armer Karl…

Mitte Dezember, wenn der Großteil der Abgaben erledigt ist, mache ich mich mit dem Interrail Ticket auf den Weg zurück nach Deutschland im Sinne von “Coming home for christmas“. So kann ich auch der dunkelsten Zeit in Norwegen entgehen 😀

Winterliche Grüße aus Trondheim,
Eure Anne

Einfach schon Oktober…

Mittlerweile sind seit meiner Ankunft in Trondheim 2 Monate vergangen. In mancher Hinsicht fühlen sich diese vergangenen 1.440 Stunden wie eine Ewigkeit aber auch wie ein Wimpernschlag an. Eins kann ich jedoch mit Sicherheit sagen: langweilig ist mir hier nicht.

Die Uni, bzw. nennen wir es hier immer Schule, beschäftigt mich weiterhin mit wöchentlichen Abgaben und der Projektarbeit. Wir hatten mittlerweile unsere erste große Präsentation, in die wir echt viele Stunden investiert haben. Auf das Ergebnis können wir aber auch stolz sein und das Feedback der Lehrenden hat das bestätigt.

Extinction Rebellion ist eine Umweltschutzbewegung, die vorrangig durch zivilen Ungehorsam versucht, auf die Klimakrise aufmerksam zu machen und die Politik zum Handeln zu bringen. Auch hier in Trondheim gibt es eine kleine, aber wachsende Gruppe, bei der ich nun dabei bin. Vergangene Woche haben wir die erste Aktion seit der Pandemie gestartet und an zwei verschiedenen Stellen in der Innenstadt in mehreren Durchläufen für wenige Minuten den Autoverkehr blockiert. Das ist echt eine spannende Gruppendynamik, die da entsteht und wir haben es sogar in die Zeitung geschafft, wie auf den Bildern zu sehen ist.

Am vergangenen Wochenende habe ich hohen Besuch aus Oslo bekommen. Eva, eine langjährige Freundin aus der Schule und Julia machen derzeit ihr Auslandssemester in Oslo und sind für ein paar Tage nach Trondheim gekommen. So haben wir uns entschieden, für 1 Nacht in einer der Hütten der NTNU zu übernachten. Die Hognabu-Hütte liegt südöstlich von Trondheim mitten im Nationalpark „Skarvan og Roltdalen“. Nachdem wir am Samstag bei sonnigem Wetter an der Hütte angekommen sind, mussten wir am Sonntag dann im Dauerregen zurücklaufen. Ohne Auto waren wir auf den Bus angewiesen. Und „der Bus“ ist hier auch wirklich wörtlich gemeint. Sowohl am Samstag, als auch am Sonntag stand uns ein Bus pro Tag zur Verfügung. Und der am Sonntag fährt erst um 18:30 Uhr. Was also tun, wenn man völlig durchnässt, mit Schlamm in den Schuhen schon ab 14:00 Uhr an der Bushaltestelle stehen würde? Im Nassen und Kalten zu warten war für uns erstmal keine Option, und so haben wir kurzerhand bei einem der 10 Häuser in der anliegenden Ortschaft geklopft. Die 88-jährige Bewohnerin hat uns schon auf unserem Hinweg eifrig am Fenster zugewunken und uns drei tropfende Gestalten dann am Sonntag-Nachmittag bei sich aufgenommen. Magli ist total fit und mit ihrem Rollator eifrig durch die Wohnung gerollt, hat Kaffee gekocht und Süßes auf den Tisch gestellt. Auf gebrochenem Norwegisch, mit Zettel & Stift und dem Google Übersetzer haben wir dann die nächsten drei Stunden mit Magli geplaudert und uns und unser Gepäck getrocknet. Mit dem einzigen Bus sind wir dann auch am Abend schließlich in Trondheim angekommen und denken immer noch, dass das alles nur ein Traum war.

Es geht nun auch aufregend weiter – im Oktober findet das UKA-Festival in Trondheim statt. Das größte Kulturfestival Norwegens, welches vollständig ehrenamtlich von Studierenden organisiert wird. Viele Konzerte, Vorträge, Theater, Flammbläserkurse oder ähnliches sind teil des umfangreichen Programms. Ich habe ein Ticket für eine Outdoor Film Tour und ein Konzert. Eine willkommene Abwechslung, jetzt wo die Tage spürbar kürzer werden…

Die Bilder zeigen den Immatrikulierungsball der Studierendenvereinigung der Architektur-Fakultät mit meinen Klassenkameraden, Polarlichter in Trondheim, Sonnenuntergang am Trondheimer Strand Korsvika, die Extinction Rebellion-Aktion und das Hüttenerlebnis vom Wochenende.

Herbstliche Grüße aus Trondheim,
eure Anne

Ps.: Ich werde die Spendenaktion meiner Radreise in der nächsten Woche schließen und die Übergabe an GermanZero in die Wege leiten. Falls ihr eine gute Sache fürs Klima also noch unterstützen wollt, freuen wir uns über eure Spende! Ein Riesen Dankeschön an alle, die bereits zu diesem tollen Ergebnis beigetragen haben, das bedeutet mir viel. ❤
https://www.betterplace.me/bike-trip-to-trondheim

1 Monat in Norge 🇳🇴

Jetzt ist einfach schon einen Monat vergangen, seit ich in Trondheim angekommen bin. Und seit dem 13. August ist definitv viel passiert. Bewusst wird es mir vor allem, wenn man draußen sieht, wie mittlerweile eine herbstliche Färbung in der Natur liegt und der Sonnenuntergang jeden Abend ein bisschen früher ist.

Ich wusste ja, dass es hier oft regnet. Aber dass ich wirklich jeden Tag meine Regenjacke anziehe, einfach auch zur Vorsorge, fühlt sich dann doch anders an. Die Frage nach der Menge an Wasser, und wo es herkommt, zieht sich durch die Norwegen-Erfahrung. In der vergangenen Woche hat es tatsächlich jeden Tag quasi ununterbrochen durchgeregnet. Da würde mich ein Kommentar meines Abwassertechnik-Professors aus Konstanz interessieren.

An der NTNU haben wir letzte Woche den regulären Vorlesungsbetrieb aufgenommen und die Projektarbeit gestartet. Das war wirklich ein unerwarteter Sprung in kalte Wasser: ein bisschen von 0 auf 100 mit 3 Abgaben in der letzten Woche. Generell ist das Studium viel schulischer als erwartet. Ich werde am Ende des Semesters (im Dezember) keine Prüfungen haben, sondern nur Abgaben während des Semester und die Gruppenpräsentationen und -berichte. Das bedeutet aber auch, dass ich jede Woche mindestens eine Abgabe habe. Ich hoffe, dass die praktische Arbeit am Projekt bald deutlich mehr Zeit einnimmt. Denn das Lesen von wissenschaftlichen Texten und das Zusammenfassen und Kommentieren dieser, ist nicht unbedingt, was ich mir vom Studium erhoffe, sondern mehr ein Mittel zum Zweck.

Darüber hinaus komme ich jedoch sehr gut in Trondheim an. Ich bekomme diese Woche meinen eigenen Fahrrad-Anhänger, um foodsharing-Abholungen durchzuführen. Diese werden im Rahmen der »Folkekjøkken – Volksküche» durchgeführt. Im nächsten Covid-Öffnungsschritt darf auch die Küche wieder öffnen, und zwei Mal pro Woche wird dann für alle Hungrigen gekocht.

Die Wochenenden hielten Kruzurlaube bereit. Seitdem ich mich das letzte Mal gemeldet habe, habe ich ein Kletterwochenende nach Romsdalen und ein Hüttenwochenende nach Trollheimen erleben dürfen. Es tut einfach gut, raus zu kommen und die atemberaubende Natur zu genießen. In den Bildern nehme ich Euch mal ein bisschen mit. Die Hütten werden von der Sport-Vereinigung der NTNU, dem NTNUI betrieben. Nach der erfolgreichen Buchung (das Mittwoch-Morgen-Ereignis mit Anstehen ab 6 Uhr) kann man dann kurz vor Aufbruch den Schlüssel abholen und sich auf die Suche nach der Hütte machen. Wir hatten am Wochenende die am höchsten gelegene der NTNUI-Hütten (auf 1.200HM). Nach einer dreistündigen Wanderung erreicht man die Hütte, die an einem See liegt. Matratzen, eine Grund-Küchenausstattung und ein Plumpsklo findet man vor, den Rest trägt man hoch. Nachdem man dann erfolgreich ein Feuer entfacht und die Mägen gefüllt hat, lässt sich der Abend beim Kartenspielen im Kerzenschein ausklingen.

Nun bin ich gespannt auf die neue Woche, die Sonne verspricht nun den Regen für ein paar Tage zu besiegen. So können wir vielleicht nochmal grillen – wirklich eine beliebte Aktivität hier.

Herzliche Grüße aus Norwegen – eure Anne

Orientierung, die zweite

Nun ist es fast 2 Wochen her, dass ich in Trondheim angekommen bin. Seitdem gestaltet sich das Fahrradfahren wieder ein bisschen anders. Ich fahre zwar dennoch jeden Tag, nun findet sich Karl jedoch neben Artgenossen entweder im Fahrradkeller meines Wohnheimes oder an den Abstellplätzen an der NTNU wieder. Im Vergleich zu Konstanz ist das Fahrradfahren hier definitiv eine sportlichere Angelegenheit: die Stadt ist sehr hügelig. Vom Zentrum, das unten am Fjord liegt bis zu meinem Wohnheim im Stadtteil Moholt überwinde ich knappe 200 Höhenmeter. Noch macht es Spaß, ich bin gespannt, wie sich das im Winter ändern wird. 😀

In meinem rot-gelben Wohnheim habe ich mich mittlerweile bestens eingelebt. Das liegt zu großen Teilen an Theresa, eine meiner sieben MitbewohnerInnen. Wir verstehen uns richtig gut – haben gleich von Anfang an unsere gemeinsamen Interessen am Outdoor-Sport entdeckt und im zweiten Satz herausgefunden, dass Theresa selbst im Sommer eine mehrwöchige Fahrradreise von Rosenheim nach Istanbul unternommen hat. Wohnzimmer und Küche sind geputzt und umstrukturiert, nun kann ich mir gesellige Kochabende schon besser vorstellen.

Derzeit befinde ich mich in der zweiten Orientierungswoche an der NTNU. Letzte Woche hat wenig stattgefunden, neben einem ersten Kennenlernen und der Matrikulationszeremonie war das Programm sehr überschaubar. Das hat sich auch bestens mit dem Besuch von Mama, Papa und Christoph verstanden. Sie sind am Mittwoch mit dem Wohnwagen in Trondheim angekommen und haben meinen Umzug mitgebracht. Neben einigen wichtigen Dingen wie Matratze oder Teppich sind nun auch die wirklich relevanten Gegenstände wie Milchaufschäumer und Soda-Stream eingezogen.

Im Anschluss an den Umzug haben wir dann zu viert noch 3 Tage zusammen mit dem Wohnwagen verbracht und Norwegen erkundet. Wir waren in Innerdalen, dem schönsten Tal Norwegens. Die Wolken und der Regen, den wir dort betrachtet haben, lässt vieles vermuten. Dennoch hatten wir auch Glück und konnten nach ca. 700 Höhenmetern und einem Eisbad von Christoph und mir im Bergsee auch einen freien Blick auf das Tal genießen. Christoph hat sich dann am Sonntag auf seine zweitägige Heimreise nach Deutschland gemacht (inkl. Sightseeing in Oslo und Hamburg), Mama und Papa haben ihre Reise auf die andere Seite des Fjordes fortgesetzt und ich versuche herauszufinden, wie schnell ich es mit dem Fahrrad an die Uni schaffe.

In meinem Studiengang „Urban Ecological Planning“ sind wir circa 27 Studierende aus aller Welt. Neben drei NorwegerInnen bin ich die einzige Deutsche. Meine Kommilitoninnen kommen aus den USA, Mexico, Chile, China, Iran, Bangladesch und Indien. Wir alle haben unterschiedliche Hintergründe, haben teilweise schon gearbeitet oder einen anderen Master gemacht. Der Mix ist unglaublich spannend und der Austausch sehr bereichernd. Am Ende der dritten Orientierungswoche in KW35 werden wir dann auch in unsere Projekte eingeführt. Diese werden aufgrund von Covid nicht in Nepal, Uganda oder Indien durchgeführt, dafür in diesem Jahr in Trondheim selbst. Es handelt sich um drei Stadtteile, bzw. Quartiere in Stadtteilen, in welchen wir an die Umsetzung nachhaltiger Stadtplanung gehen. Die Projektarbeit wird von zwei Vorlesungen, welche montags und freitags stattfinden, gerahmt. Beim nächsten Mal kann ich sicher mehr berichten, noch wird die Spannung unserer Professoren (die hier alle beim Vornamen genannt werden) hochgehalten. Auf einem der Bilder könnt ihr das „Studio“ sehen – ein Raum der ganz unserer Klasse gehört und den wir gestalten und nutzen können, wie wir möchten. Total gut!

Die NTNU bietet echt eine kaum überschaubare Vielzahl an Möglichkeiten. Allen voran ist für mich vorallem der NTNUI, der Sportbereich, am reizvollsten. Von Quidditch über Langlauf und Schach kann man hier alles mitmachen. Darüber hinaus gibt es eigene Hütten in der Umgebung. Als Mitglied kann man diese für ca. 5€ pro Person buchen – deswegen sind Theresa und ich heute um 6 Uhr aufgestanden. Denn das Büro öffnet um 8 Uhr und die Erfahrungen von first come, first serve beweisen, dass der frühe Vogel den Wurm fängt.

Ich bin total glücklich, endlich hier zu sein und ein Leben aufzubauen. Der Besuch meiner Familie hat mir wieder einmal gezeigt, wie atemberaubend schön dieses Land ist. Nun habe ich die Möglichkeit, Land und Leute in aller Ausführlichkeit kennen zu lernen. Darauf freue ich mich sehr!

Herbstliche Grüße, viel Gesundheit und alles Gute aus Norwegen, Eure Anne

Bei Interesse könnt ihr hier auch den dritten und letzten Artikel meiner Reise im Südkurier lesen: https://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/23-tage-2250-kilometer-radelt-eine-konstanzer-studentin-fuer-den-guten-zweck-jetzt-ist-sie-am-ziel-und-hat-feuer-gefangen;art372448,10896352

Etappe 23: Zieleinlauf

Es ist nun das erste mal seit einer Weile, dass ich mehr als 24 Stunden am gleichen Ort bin ohne gleich an die nächste Etappe zu denken. Und nun nach den ersten Stunden und dem zweiten Abend fühlt es sich auch gut an. Ich freue mich auf Trondheim!

Aber vielleicht nochmal von vorne: nachdem Jonas, Sina und ich am Freitag morgen vom einigen Schafen geweckt wurden, welche neben unseren Zelten aufgetaucht sind, haben wir uns auf den Sattel geschwungen, um die letzten 75km anzubrechen.

Trotz einer langen Abfahrt zu Beginn wurde es zwischenzeitlich nochmal hügeliger. Dank Bananenpause und gegenseitigem Windschatten-Fahren sind wir dann gegen 14 Uhr in Trondheim ins Ziel gerollt. Leider haben wir kein Stadtschild entdeckt, daher war aufgrund unseres großen Hungers der Rema 1000 (weit verbreiteter Supermarkt) unsere erste Adresse.

Hier haben wir uns mit einem Picknick eingedeckt, welches wir dann vor dem ehrwürdigen und traditionellen Gebäude der NTNU genossen haben. Die Ankunft in Trondheim haben wir dann noch bei einem Kaffee weitergefeiert, bevor ich Sina und Jonas dann auf ihren weiteren Weg ans Nordkapp verabschiedet habe. Es bedeutet mir viel, die letzten Kilometer und auch die ersten Stunden der Ankunft mit den beiden geteilt zu haben.

Im Anschluss bin ich in meine neue Bleibe gefahren und die Tatsache, dass ich diesen Bericht mit ein wenig zeitlichen Abstand verfasse, lässt mich auch schon deutlich positiver darauf blicken.

Theresa und Lena sind zwei meiner neuen Mitbewohnerinnen und mit ihnen verstehe ich mich super und wir haben soeben auch gemeinsam gekocht. Sonst ist alles teilweise noch ein bisschen unklar. Aber mittlerweile weiß ich, dass großes Potenzial zum Wohlfühlen besteht und sich viele Dinge mit dem Start der Orientierungswoche am Montag klären werden.

Mama, Papa und Christoph kommen am Mittwoch in ihrem Norwegen-Urlaub in Trondheim an und bringen auch meinen Umzug. Das haben sich sicher schon viele gefragt – und nicht nur in dieser Hinsicht hätte ich diese Reise ohne die bedingungslose Unterstützung meiner Familie nicht durchziehen können. Danke! ❤

Generell möchte ich mich bei Euch allen bedanken, die ihr Interesse an meinen Vorhaben gezeigt habt und mich dies auch durch Nachrichten, Aufmerksamkeiten und liebe Worte habt wissen lassen. Oder auch für die Beiträge zur Spendenaktion möchte ich mich (auch im Namen von GermanZero) herzlich bedanken. Es hat mich jeden Tag aufs Neue motiviert Eure Unterstützung zu erfahren. Ich bin dankbar für dieses Umfeld, die Tatsache, dass ich gesund und munter hier angekommen bin und dass ich die Möglichkeit hatte, diese Reise durchzuführen.

Wie wird es nun weitergehen? Dieser Blog wird bleiben, sei es zum nachlesen und durchstöbern. Aber darüber hinaus werde ich ihn auch weiterhin nutzen, um jene Interessierte unter euch über mein (Ein-)Leben in Trondheim zu informieren. Ich kann noch nicht sagen wie oft und in welcher Regelmäßigkeit, aber ich werde mich melden. Und sonst habe ich definitiv Feuer gefangen – weitere Radreisen werden folgen. Und wenn auch nicht so intensiv wie bei dieser, wird auf diesen Seiten sicher noch einmal ein Fahrradfoto zu finden sein. Ich habe gehört, das Nordkapp wartet schon… 😛

Etappe 22: uhu – unter hundert

Es ist nicht mehr weit – nachdem ich heute wieder 100 km vorwärts gekommen bin, dank der Begleitung zweier Mitfahrender sind nun noch 75 km für morgen übrig geblieben. Aber nochmal vom vorne…

Die ersten 20 km aus Tynset heraus führten mich stetig auf den höchsten Punkt der Reise bei 733 m.ü.NN. Circa 5 Kilometer später habe ich an einem Rastplatz Pause gemacht, die ich mit einem kleinen Spaziergang an den See des Kvikne Nationalparkes verbunden habe. Hier habe ich Sina und Jonas zum ersten Mal gesehen, wir haben uns allerdings nur gegrüßt.

Die darauffolgenden 10 km sind wir dann wie beim Katz und Maus Spiel hintereinander hergefahren. Dann habe ich einen Foto-Stop gemacht und sie waren wieder vorne. Kurz vor Kvikne selber haben wir uns dann allerdings kennen gelernt. Die beiden Erlanger haben mit ihren Rädern bereits eine Tour von Deutschland bis Bangkok in 10 Monaten durchgeführt und befinden sich derzeit auf dem Weg zum Nordkapp (das ist mit dem Fahrrad auch eines meiner nächsten Ziele 😉 ). Seitdem sind wir zusammen unterwegs.

Bei einer Mittagspause an einem Picknick-Platz hat dann ein richtiger Allmann-Treff stattgefunden. Erst kamen noch zwei Motorradreisende und schließlich noch ein deutsches Wohnmobil. War totale Wohnzimmerstimmung und die Frau des Wohnmobil-Paares hat für alle Teewasser gekocht.

Sina, Jonas und ich sind dann weitergefahren, teilweise nass geworden und haben uns dann auf der E6 (Hauptroute zwischen Oslo und Trondheim) gemeinsam dem LKW/PKW-Dschungel gestellt. Nach dem Einkauf fürs Abendessen (Reis mit Kichererbsen-Karotten-Curry) haben wir uns dann einen Schlafplatz gesucht und liegen nun mit unseren Zelten auf dem Wirtschaftsweg einer Abholz-Zone.

Ich bin total glücklich, dass sich unsere Wege heute gekreuzt haben, ich die Bekanntschaft zweier inspirierenden Persönlichkeiten machen darf und die beiden mich auch morgen auf den letzten Kilometern und beim Zeileinlauf begleiten werden. Dass es nun uhu-unter hundert Kilometer sind, kann ich einfach nicht so ganz glauben.

Bilder werde ich morgen nachreichen, da meine mobilen Daten für deren Upload leider nicht mehr ausreichen… :/

Bis morgen!

Etappe 21: mehr hoch als runter

Die zweite Etappe (nach gestern) im Østerdalen (Tal) hinterlässt in meinem Höhenmeter-Konto ein Plus. Es ging 1020 Höhenmeter hoch, dafür nur 800 runter. Ab morgen wird sich das ändern. Ich werde auf rund 700 Höhenmetern den höchsten Punkt der Reise passieren und dann mit einigen Hebungen und Senkungen Trondheim auf Meeresspiegelhöhe wieder erreichen.

Da ich in den letzten Tagen dank gutem Wetter, top Verhältnissen und meinem sehr gesunden Zustand gut vorangekommen bin, werde ich nun nach zwei weiteren Etappen voraussichtlich am Freitag Abend Trondheim erreichen. Realisieren kann ich immer noch nicht, dass es nun nur noch 170 km bis ans Ziel sind.

Ich freue mich besonders darauf, aufzuwachen und zu realisieren, heute mal nicht Fahrrad fahren zu müssen. So ein kleines Motivationstief hatte ich nämlich am Morgen. Teilweise vergeht einfach zu wenig Zeit, bis ich wieder auf dem Fahrrad sitze. Konfrontation wirkt da am besten und so habe ich wenig Zeit mit anderen Gedanken verschwendet und bin einfach wieder losgefahren.

Bei den Aussichten kann man sich auch nicht beklagen. Das Tal ist wirklich wunderschön und jede Windung des Flusses eröffnet den Blick auf weitere Bergketten. Gerade im Spiel mit Sonne und Wolken echt beeindruckend. Da konnte ich auch die knapp 50 km die ich an der mäßig befahrenen Schnellstraße gefahren bin, ganz gut verkraften. Schließlich hat sie mir heute auch ein wundervolles Erlebnis verschafft: ca. 400m vor mir hat eine Elchkuh die Straße überquert. Das war irgendwie magisch.

Nun sitze ich in Tynset, das Zelt ist aufgeschlagen und ich genieße noch die Abendsonne. Liebe Grüße nach Deutschland oder wo ihr auch seid!

Etappe 20: walking on Sunshine

Beim Frühstück noch mit Mama und Papa telefoniert, habe ich nach dem Zusammenpacken meines Schlafzimmers gegen 8:30 Uhr den Campingplatz in Tangen verlassen.

Mein erster Stopp war in Elverum, der letzten größeren Stadt, bevor ich in das Tal gen Norden abgebogen bin. Hier habe ich Karl der Vorsorge halber nochmal bei einem Radgeschäft aufpumpen lassen. Nebenan war ein Supermarkt und nach meiner Pause dort, fiel mir beim Losfahren schnell auf, dass ich hinten einen extremen Platten habe. Also nochmal schnell zurück ins Radgeschäft. Der Mitarbeiter Martin ist sofort wieder zu mir gekommen. Nach ein bisschen Rumtesten ist uns aufgefallen, das die Ventilkappe zu fest drauf war, und so zum Luft-Ablassen geführt hat. Als Martin dann mitbekommen hat, dass ich an die NTNU gehen werde, hat er trotz anderer wartender Kunden noch sein Handy gezückt, um stolz eigene Aufnahmen der NTNU zu zeigen.

Die darauffolgenden Kilometer führten entlang der E3. Neben LKW und PKW war es deutlich anstrengender, da kaum Seitenstreifen da war und ich aber dennoch versucht habe, möglichst rechts der Fahrbahnmarkierung zu fahren. Im Zuge dessen habe ich auch meine von finnlines gesponserte Warnweste an den Satteltaschen befestigt. Seitdem nehme ich zeitweise auch Insekten in meinem Taxi mit.

Nach circa 20 Kilometern habe ich dann im Tal die Flussseite des Glomma gewechselt. Hier begegnete mir nur alle 20 Minuten ein Auto und ich konnte in aller Ruhe gut gelaunt meine Schlangenlinien bei guter Musik und wunderschöner Aussicht fahren. Das Tal, in welchen im morgen bis nach Tynset fahren werde, ist wunderschön bewaldet und wird von dem Glomma durchflossen. Alle Menschen grüßen, wie wenn ich auf meiner alltäglichen Feierabendrunde unterwegs wäre.

Ich hatte heute die Wahl zwischen 75 km bis nach Rena oder den schlussendlichen 135 km bis nach Koppang. Die Campingplätze, Ortschaften und menschlichen Einflüsse liegen nun deutlich weiter auseinander. Ich habe das sonnige Wetter genutzt und die Fahrt genossen. Eine meiner Lieblingssituationen war eine kleine Abfahrt im Spiel mit Sonne und Schatten mit Aussicht auf die samtig aussehenden Waldhügel zum Lied „Walking on Sunshine“.

Nun bin ich auf einem sehr netten Campingplatz, werde gleich duschen und noch etwas kochen. Liebe Grüße aus Koppang!

Etappe 19: alleine im Zelt

Nachdem ich Lisa am Morgen noch bei einem sentimentalen Abschied an die Metrostation gebracht habe, habe ich mich nun wieder alleine auf den Sattel geschwungen.

Die Tour begann gleich intensiv – erstmal auf 300 Höhenmeter aus der Hauptstadt raus. Auf dem Weg bei einer Fahrradwerkstatt nochmal mit dem Kompressor Luft in die Reifen und schon rollt es sich leichter. Auch hier wieder die erstaunte Frage, was ich denn so vorhabe und wo ich herkomme.

Nachdem ich Oslo verlassen habe, bin ich den weiteren Teil der Strecke größtenteils dem Eurovelo 3/ Norwegischer Radweg 7 gefolgt. Dieser überschneidet sich an manchen Abschnitten auch mit einem Pilgerweg von Oslo nach Trondheim.

Nach circa 70 km habe ich (endlich wieder :D) Wasser erreicht: den Mjøsa See – Norwegens größter See. An dessen Ufer entlang liefen die letzten 35 Kilometer dann richtig gut, da ich entweder auf einem frisch asphaltierten Radweg oder auf der Straße fahren konnte – ohne nennenswerte Höhenmeter. Zwischenzeitlich habe ich beim Anblick einer beeindruckenden Wetterfront ein Päuschen gemacht, nachdem dann allerdings doch nichts runterkam, bin ich einfach weitergefahren und den ganzen Tag über trocken geblieben.

Nun übernachte ich nach 105 km in Tangen auf einem schönen Campingplatz direkt am Wasser des Mjøsa-Sees. Neben mir im Zelt schlafen Jannis und Sara – wir haben uns noch nett unterhalten und die goldenen Abendstunden genossen.

Morgen werde ich das Tal wechseln, da ich mich gegen das Tal der E6 entschieden habe. Das bedeutet, dass ich ab Elverum ein Tal weiter östlich in den Norden fahren werde. Gute Nacht aus dem Zelt! ( Ich glaube, das ist meine erste Nacht alleine in einem Zelt – Premiere :D)