Etappe 21: mehr hoch als runter

Die zweite Etappe (nach gestern) im Østerdalen (Tal) hinterlässt in meinem Höhenmeter-Konto ein Plus. Es ging 1020 Höhenmeter hoch, dafür nur 800 runter. Ab morgen wird sich das ändern. Ich werde auf rund 700 Höhenmetern den höchsten Punkt der Reise passieren und dann mit einigen Hebungen und Senkungen Trondheim auf Meeresspiegelhöhe wieder erreichen.

Da ich in den letzten Tagen dank gutem Wetter, top Verhältnissen und meinem sehr gesunden Zustand gut vorangekommen bin, werde ich nun nach zwei weiteren Etappen voraussichtlich am Freitag Abend Trondheim erreichen. Realisieren kann ich immer noch nicht, dass es nun nur noch 170 km bis ans Ziel sind.

Ich freue mich besonders darauf, aufzuwachen und zu realisieren, heute mal nicht Fahrrad fahren zu müssen. So ein kleines Motivationstief hatte ich nämlich am Morgen. Teilweise vergeht einfach zu wenig Zeit, bis ich wieder auf dem Fahrrad sitze. Konfrontation wirkt da am besten und so habe ich wenig Zeit mit anderen Gedanken verschwendet und bin einfach wieder losgefahren.

Bei den Aussichten kann man sich auch nicht beklagen. Das Tal ist wirklich wunderschön und jede Windung des Flusses eröffnet den Blick auf weitere Bergketten. Gerade im Spiel mit Sonne und Wolken echt beeindruckend. Da konnte ich auch die knapp 50 km die ich an der mäßig befahrenen Schnellstraße gefahren bin, ganz gut verkraften. Schließlich hat sie mir heute auch ein wundervolles Erlebnis verschafft: ca. 400m vor mir hat eine Elchkuh die Straße überquert. Das war irgendwie magisch.

Nun sitze ich in Tynset, das Zelt ist aufgeschlagen und ich genieße noch die Abendsonne. Liebe Grüße nach Deutschland oder wo ihr auch seid!

Etappe 20: walking on Sunshine

Beim Frühstück noch mit Mama und Papa telefoniert, habe ich nach dem Zusammenpacken meines Schlafzimmers gegen 8:30 Uhr den Campingplatz in Tangen verlassen.

Mein erster Stopp war in Elverum, der letzten größeren Stadt, bevor ich in das Tal gen Norden abgebogen bin. Hier habe ich Karl der Vorsorge halber nochmal bei einem Radgeschäft aufpumpen lassen. Nebenan war ein Supermarkt und nach meiner Pause dort, fiel mir beim Losfahren schnell auf, dass ich hinten einen extremen Platten habe. Also nochmal schnell zurück ins Radgeschäft. Der Mitarbeiter Martin ist sofort wieder zu mir gekommen. Nach ein bisschen Rumtesten ist uns aufgefallen, das die Ventilkappe zu fest drauf war, und so zum Luft-Ablassen geführt hat. Als Martin dann mitbekommen hat, dass ich an die NTNU gehen werde, hat er trotz anderer wartender Kunden noch sein Handy gezückt, um stolz eigene Aufnahmen der NTNU zu zeigen.

Die darauffolgenden Kilometer führten entlang der E3. Neben LKW und PKW war es deutlich anstrengender, da kaum Seitenstreifen da war und ich aber dennoch versucht habe, möglichst rechts der Fahrbahnmarkierung zu fahren. Im Zuge dessen habe ich auch meine von finnlines gesponserte Warnweste an den Satteltaschen befestigt. Seitdem nehme ich zeitweise auch Insekten in meinem Taxi mit.

Nach circa 20 Kilometern habe ich dann im Tal die Flussseite des Glomma gewechselt. Hier begegnete mir nur alle 20 Minuten ein Auto und ich konnte in aller Ruhe gut gelaunt meine Schlangenlinien bei guter Musik und wunderschöner Aussicht fahren. Das Tal, in welchen im morgen bis nach Tynset fahren werde, ist wunderschön bewaldet und wird von dem Glomma durchflossen. Alle Menschen grüßen, wie wenn ich auf meiner alltäglichen Feierabendrunde unterwegs wäre.

Ich hatte heute die Wahl zwischen 75 km bis nach Rena oder den schlussendlichen 135 km bis nach Koppang. Die Campingplätze, Ortschaften und menschlichen Einflüsse liegen nun deutlich weiter auseinander. Ich habe das sonnige Wetter genutzt und die Fahrt genossen. Eine meiner Lieblingssituationen war eine kleine Abfahrt im Spiel mit Sonne und Schatten mit Aussicht auf die samtig aussehenden Waldhügel zum Lied „Walking on Sunshine“.

Nun bin ich auf einem sehr netten Campingplatz, werde gleich duschen und noch etwas kochen. Liebe Grüße aus Koppang!

Etappe 19: alleine im Zelt

Nachdem ich Lisa am Morgen noch bei einem sentimentalen Abschied an die Metrostation gebracht habe, habe ich mich nun wieder alleine auf den Sattel geschwungen.

Die Tour begann gleich intensiv – erstmal auf 300 Höhenmeter aus der Hauptstadt raus. Auf dem Weg bei einer Fahrradwerkstatt nochmal mit dem Kompressor Luft in die Reifen und schon rollt es sich leichter. Auch hier wieder die erstaunte Frage, was ich denn so vorhabe und wo ich herkomme.

Nachdem ich Oslo verlassen habe, bin ich den weiteren Teil der Strecke größtenteils dem Eurovelo 3/ Norwegischer Radweg 7 gefolgt. Dieser überschneidet sich an manchen Abschnitten auch mit einem Pilgerweg von Oslo nach Trondheim.

Nach circa 70 km habe ich (endlich wieder :D) Wasser erreicht: den Mjøsa See – Norwegens größter See. An dessen Ufer entlang liefen die letzten 35 Kilometer dann richtig gut, da ich entweder auf einem frisch asphaltierten Radweg oder auf der Straße fahren konnte – ohne nennenswerte Höhenmeter. Zwischenzeitlich habe ich beim Anblick einer beeindruckenden Wetterfront ein Päuschen gemacht, nachdem dann allerdings doch nichts runterkam, bin ich einfach weitergefahren und den ganzen Tag über trocken geblieben.

Nun übernachte ich nach 105 km in Tangen auf einem schönen Campingplatz direkt am Wasser des Mjøsa-Sees. Neben mir im Zelt schlafen Jannis und Sara – wir haben uns noch nett unterhalten und die goldenen Abendstunden genossen.

Morgen werde ich das Tal wechseln, da ich mich gegen das Tal der E6 entschieden habe. Das bedeutet, dass ich ab Elverum ein Tal weiter östlich in den Norden fahren werde. Gute Nacht aus dem Zelt! ( Ich glaube, das ist meine erste Nacht alleine in einem Zelt – Premiere :D)

Etappe 18: Meilenstein Oslo

Wir sind in der Hauptstadt! Nach 65 weiteren Kilometern haben Lisa und ich heute unsere letzte gemeinsame Etappe miteinander zu einem fabelhaften Ende gebracht. Für Lisa bedeutet der Zieleinlauf das Ende einer 660 km langen Radtour von Malmö bis Oslo und für mich ein bedeutsamer Meilenstein.

Wunderschöne Seen entlang der Straße und dann der Fjord in Oslo – viel Wasser, das uns Norwegen da heute bereitgehalten hat. Die letzten 30 km vor Oslo haben wir uns gefühlt, wie wenn wir Teil eines Fahrrad-Straßenrennens wären. Es waren unglaublich viele Rennradfahrer unterwegs, bei den Straßenverhältnissen und Ausblicken allerdings sehr verständlich.

Unser Gastgeber Bram heute Nacht, ein Freund eines Freundes aus Konstanz wohnt ganz in der Nähe des königlichen Palastes und so war unsere Ankunft auch noch mit einer Sightseeing-Tour verbunden. Die vielen herumflitzenden E-Scooter, Menschen und Straßenbahnen haben allerdings unsere Sinne nach vielen Tagen mit wenig Zivilisation deutlich gefordert.

Da wir recht früh in Oslo angekommen sind, haben wir den frühen Abend dann noch zum durch die Stadt schlendern genossen. Das Wetter strahlte auch heute wieder. Ein gelungener Abschied für wundervolle vergangene 8 Etappen mit treuer Reisebegleitung Lisa. Wir haben diese Reise aus unterschiedlichen Gründen angetreten und haben die Herausforderung gemeinsam gemeistert. Wir können stolz auf uns sein und ich bin dankbar und glücklich, dass wir gesund und munter in Oslo angekommen sind. Danke Lisa, für deine Begleitung und eine weitere Erfahrung, die uns zusammenschweißt!

Etappe 17: in der neuen Heimat

Die ersten Kilometer gingen heute ungeplanterweise für Calli und Karl durchs Gelände. Sie haben es super gemeistert, wir waren jedoch alle froh, wieder Asphalt unter den Reifen zu haben. So konnten wir die letzten Kilometer in Schweden dann doch mehr genießen.

Nach unserer letzten schwedischen Pause trennte uns dann nur noch eine Brücke von Norwegen. Bzw. Die Hälfte, denn die Landesgrenze befindet sich direkt auf der Mitte. Hier treffen wir auch einen anderen deutschen Fahrradreisenden aus Oldenburg, welcher über Dänemark und Schweden bis ans Nordkap radeln möchte.

Dank eines sehr netten Grenzpolizisten haben wir es nach dem Vorzeigen von Pass und Impf-Nachweis unkompliziert über die Grenze geschafft. Die darauf folgenden Kilometer war ich einfach nur glücklich – und bin es auch immer noch. Irgendwie eine große Erleichterung endlich im Land der neuen Heimat zu sein und große Vorfreude hier bald in den Master zu starten.

Dem Regen sind wir heute einfach davongefahren. Ein, zwei Tropfen haben wir abbekommen aber darüber hinaus war es lediglich bewölkt. Super Bedingungen für norwegische Hügel und 90 km über die Grenze vom schwedischen Strömstad ins norwegische Moss.

Zur Feier des heutigen Tages dürfen auch Calli und Karl heute an einem ganz besonderen Platz unserer Unterkunft übernachten. Hoffentlich gruseln sie sich dort nicht, denn sie stehen in einer Art Galerie mit einigermaßen merkwürdigen Gemälden.

Morgen treten Lisa und ich leider schon unsere letzte gemeinsame Etappe nach Oslo an. Da werden wir nochmal ordentlich in die Pedale treten und die gemeinsam zurückgelegten Kilometer gebührend feiern.

Etappe 16: der letzte ganze Schweden-Tag

Ich fange heute einfach mal mit dem Abend an, denn daran kann ich mich momentan am besten erinnern. Unsere Unterkunft ist direkt 200 m von einem wunderschönen Strand entfernt. So haben wir heute Abend den Gaskocher eingepackt und haben am Meer Nudeln gekocht (man beachte die Form der Nudeln 😉 ). Es war total schön, auf den warmen Steinen der steinigen Küstenlandschaft zu sitzen und stolz auf den Tag zurückblicken zu können.

Denn stolz können wir auf jeden Fall sein: es war wieder ein hügeliger Tag. 90 km und 700 Höhenmeter. Die Sonne hat uns den ganzen Tag begleitet und die Abdrücke der Fahrradhose beweisen mittlerweile deutlich, was wir hier tagtäglich so tun.

Wir sind nun in Strömstad, bzw. Ein wenig nördlich von dieser kleinen süßen Küstenstadt. Morgen werden wir die Grenze überqueren und freuen uns auf Norwegen. Also, bis morgen aus einem anderen Land!

Etappe 15: Sonnenbrand auf der Nase

Die Landschaft verändert sich: die weiten Wiesen, Felder und das Meer sind nun Felsen, Wäldern und deutlich mehr Höhenmetern gewichen.

Am Morgen haben wir Göteborg verlassen und sind zeitweise auf einem Fahrradweg entlang der Autobahn E6 gefahren. Mittlerweile ist da Oslo angeschrieben – es kann also gar nicht mehr weit sein. 😀

Die Kaffeepause verbringen wir bei Tant Rut in Kungälv. Dann geht es weiter an einem Meeresarm entlang über Stenungsund bis nach Uddevalla. Die Sonne scheint heute wieder den ganzen Tag kräftig vom Himmel und da wir im Eifer des Gefechts ganz vergessen, uns einzucremen, sieht man heute auch deutlich, dass wir viel draußen waren. (@Oma: eigentlich benutze ich deine Sonnencreme sonst wirklich immer!! Versprochen!)

Lisa wollte mich heute sicher an der ein oder anderen Stelle vom hinten mit Pfeilchen beschießen. Das Höhenprofil hatte es zeitweise wirklich in sich, an einer Stelle musste ich sogar schieben, weil Karl einfach zu schwer für die Steigung war.

100 km und 700 Höhenmeter später kommen wir im Vandrarhem Uddevalla an. Eine Unterkunft, in der Reisende sich mit Gemeinschaftsküche selbst versorgen können. Hier kochen wir uns heute Chili sin Carne.

Wir sind nun schon 420 km gemeinsam in Schweden unterwegs – und schon ziemlich weit gekommen. Der morgige Freitag wird der letzte Tag sein, an dem wir komplett in Schweden fahren. Am Samstag werden wir schon die Grenze überqueren.

Etappe 14: Entweder Golf oder Minigolf

Die 70 km lange Etappe von unserem Campingplatz bis nach Göteborg verlief vollkommen komplikationslos und bei strahlendem Sonnenschein. Wir hatten aber auch einige Startschwierigkeiten: Lisa ist heute morgen mit einer Nacktschnecke auf dem Kopfende ihres Schlafsackes aufgewacht. Dieser Anblick war nicht gerade die positivste Begrüßung des neuen Tages. Nachdem dann allerdings das Zelt und co. verräumt war, konnten wir aufbrechen.

Unsere erste Kaffeepause legten wir an einem Strand mit Hawaii-Atmosphäre ein. Dann gab es schon 30 km später ein Eis in Kungsbacka. Vor Göteborg habe ich dann noch eine Badepause eingelegt. In Konstanz habe ich das ja ausnahmslos jeden Tag mit voller Begeisterung gemacht, so hatte ich einiges aufzuholen.

Nach Göteborg konnten wir auf top ausgebauten Fahrradwegen bis fast an das Bed&Bike Hostel fahren, in dem wir heute nächtigen. Da es hier für nur 10€ noch die Möglichkeit gibt, die Sauna privat zu nutzen, haben wir noch drei Saunagänge in unser Regenerationsprogramm aufgenommen.

Und auf den Titel bezogen: es gibt hier zum einen auffallend viele Golfplätze. Und mindestens genauso viele Minigolfplätze.

Wie ihr auf einem der Bilder sehen könnt, ist ein Interview/ Artikel über die Radtour in der norwegischen Zeitung Adresseavisen erschienen. Emelie, eine Studentin der NTNU, meiner zukünftigen Universität, hat von der Aktion mitbekommen. Sie arbeitet auch als Journalistin und so kam das Gespräch zu Stande.

Etappe 13: Held des Tages

Fast dachte ich um 16:30 Uhr, dass heute wohl einfach ein normaler ziemlich schöner Radfahrtag sein würde. Und ich habe mich gefragt, was ich denn heute neben schönen Bildern berichten könnte. Denn bis zu diesem Zeitpunkt lief alles super: strahlender Sonnenschein, Bullerbü-Landschaften und wenig Gegenwind.

Wohl zu schön um wahr zu sein. Denn nach 70 km, als wir entscheiden, noch zum Supermarkt zu gehen, um für das Abendessen einzukaufen, passiert es. Karls kleines Schaltblatt reagiert nicht mehr. Ich versuche erst selbst Hand anzulegen, was allerdings nichts gebracht hat.

So überlegen wir hin und her und entscheiden uns dann für den Weg zur Fahrradwerkstatt. In der Cykelsverstanden No. 1 kann uns unser Held des Tages „Teu“ dann schnell weiterhelfen. Zuerst ist nicht sicher, ob er es noch am selben Tag fixen kann. Als er dann aber schließlich lange wegbleibt, vermuten wir schon Gutes. „I found your Instagram“ erklärt er dann. Der Wimpel, den mein Bruder mir zur Abfahrt gemacht hat, hat gezogen. Ich bin so erleichtert und dankbar, dass Teu den gerissenen Bowdenzug noch am selben Tag reparieren kann. Also definitiv der Held des Tages! Wenn euch mal das Fahrrad in Varberg kaputt geht, dann ab zur Cykelsverkstaden No.1.

Nach diesem kleinen Aufreger geht es für Lisa und mich dann noch 10 km weiter auf den nächsten Campingplatz nördlich von Varberg. Wir dürfen hier heute Nacht umsonst auf der Wiese neben dem Fußballplatz schlafen, inklusive Nutzung der Sanitäranlagen. Also Jackpot! Nach einem leckeren One-Pot-Pastagericht werden wir nun noch mit dem iPad einen Film im Zelt schauen. Morgen geht es weiter nach Göteborg, es fehlen noch ca. 70km bis dahin.

Etappe 12: Schwieriges Temperaturmanagement

Oh la la, also dieser Tag war durchwachsen: ich hatte glaube ich alles an, was mein rollender Kleiderschrank so bietet: von kurz über lang bis voll eingepackt ins Regenoutfit. Die vergangenen 100 km von Helsingborg bis Halmstad haben alles bereitgehalten.

Angefangen mit Nieselregen, dann zwischenzeitlich ein kleiner Weltuntergang. Die Kaffeepause in Ängelholm dann bei Sonnenschein. Zwischenzeitlich wieder Regen und die letzten 30 km dann wieder zauberhafter Sonnenschein. Das waren die schönsten Kilometer, denn sie führten uns durch ein Naturreservat zwischen Nadelbäumen und an Sanddünen vorbei.

Stetiger Begleiter war der Wind, na immerhin eine Konstante. Gegenwind und Rückenwind, oder auch von der Seite, da war alles dabei. Wir hoffen auf die richtige Richtung für unsere Planung Richtung Varberg.

Am Montag ist im Südkurier ein weiterer Artikel über meine Reise veröffentlicht worden. Wen es interessiert, kann diesen hier nachlesen.

https://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/mit-dem-fahrrad-bis-nach-norwegen-konstanzer-studentin-radelt-fuer-den-guten-zweck-und-bald-hat-sie-deutschland-durchquert%3Bart372448,10874803