Im wahrsten Sinne holprig

Seit mittlerweile fast einer Woche unterwegs haben wir es schon bis Puerto Natales geschafft. Leider nicht ganz mit den Verkehrsmittel, welches wir uns erhofft haben. Wir mussten für das Stück zwischen Punta Arenas und Puerto Natales auf den Bus umsteigen.

In den Tagen zuvor hat noch alles so ziemlich gut geklappt. Sehr spontan entscheiden wir uns nach der Ankunft in Punta Arenas noch die Fähre über die Magellanstraße zu nehmen. Duc mochte unbedingt Pinguine sehen (und Anne auch – nur eben ein bisschen weniger) und circa 100 km entfernt gibt es in der „Useless Bay“ die einzige Königspinguinkolonie auf dem Festland zu bestaunen. Da die Straße auf diesem Teil sehr holprig ist, und uns somit ein Tag auf holprigen Straßen mit starkem Wind, sowie ein Tag zurück bevorsteht, versuche wir unser Glück per Anhalter. Schon beim ersten Auto haben wir Glück und wir werden von einem deutschen Reisetrio mitgenommen. Die Pinguine sind faszinierend und ziemlich imposant. Sie werden seit 2011 durch das Naturreservat geschützt – man muss sich mal vorstellen, dass bis zuvor Touristen versuchen, Pinguine zu schnappen, um sie in ihr Auto zu packen.

Wir kommen wieder spät in Punta Arenas mit der Fähre an. Als wir schnell das Zelt für die Nacht aufbauen wollen, bricht eine Zeltstange, weil Duc sie aus Versehen nicht richtig zusammensteckt. Da es mittlerweile 23.30 Uhr ist, schlafen wir einfach ohne Zelt und suchen am nächsten Tag nach einer Lösung.

Das ist ja meist das schöne an solchen Situationen. Die eigene Hilflosigkeit bringt nette Begegnungen hervor mit Menschen, die bedingungslos ihre Arbeit für einen kurzen Moment stehen und liegen lassen, um weiterzuhelfen. So auch mit unser improvisierten Lösung für die Zeltstange. Drei Jungs von der Ferreteria (sie haben sehr viele Rohre dort) sägen uns schließlich ein Stück, welches von nun an als Schiene dient. Zelt wieder repariert.

Und Ducs Fahrrad? Wir haben es ja gebraucht in Santiago gekauft. Es sah ganz brauchbar aus, aber von einer Noname Marke. Als wir Punta Arenas Richtung Puerto Natales verlassen, fängt Alfredo (besagtes Fahrrad) an zu streiken. Die Hinterachse ist Metallsalat, also komplett zermürbt und die Kettenblätter schräg und quasi lose. Wir rollen zum Flughafen zurück, was immerhin 5km waren. Die letzten Meter für Alfredo und trotz zerstückelter Hinterradachse fährt er sich noch irgendwie zu seinem letzten Ziel. Die Entscheidung ist dann schließlich: Fahrrad zurücklassen, Anne fährt nach Punta Arenas zurück, weil sie dort mit dem Fahrrad den Bus nehmen wird und Duc steigt am Flughafen zu. So landen wir noch am Abend in Puerto Natales. Das spart uns auch eine Menge Seiten- und Gegenwind. Wenn es hier eine Konstante gibt, dann ist es der Wind.

In Puerto Natales finden wir dann ein neues Fahrrad, wir taufen es Don Carlos. Ein Mountainbike, dass sowohl Ducs Fahrstil (pff. – Kommentar von Duc) als auch den Straßenverhältnissen gerecht wird. Nach einem informativen Nachmittag im Radladen, machen wir uns noch am Abend auf den Weg zur Laguna Sofia. Ein wunderschöner See umgeben von Bergen und Steppenlandschaft. Wir klettern am nächsten Tag eine Route, bekommen Gebäck von anderen Campern geschenkt und können anhand der Lautstärke der Wellen erahnen, wie stark der Wind gerade bläst.

Da Duc ein paar Bewerbungsgespräche hat, halten wir uns in den nächsten Tagen vor allem in und um Puerto Natales auf.

Wir befinden uns ein bisschen im Zweispalt, wenn wir von den erschreckenden Nachrichten aus Lützerath hören. Wären wir in Europa, würden wir zu diesen Zeiten unsere Solidarität mit den Demonstrierenden zeigen und wahrscheinlich dabei sein. Das geht nunmal nicht, wenn man 13.500 km entfernt ist. Umso schockierender die Nachrichten zu lesen und sehen, die einen ein bisschen den Glauben an Politik und Rechtsstaat verlieren lassen. Auf der anderen Seite merke ich (Anne), wie diese Reise mir wieder dabei hilft, den Glauben an die Menschheit zurückzugewinnen. Sei es durch das freudige Hupen von vorbeifahrenden Autofahrenden, die bedingungslose Hilfe die wir in jeder danach suchenden Situation bis jetzt gefunden haben oder die offenherzige Gastfreundschaft.

Wütendster Moment: Übermüdet beim Aufbau des Zeltes zu realisieren, dass die Zeltstange nun gebrochen ist, und sie innerhalb der nächsten 20 Minuten auch nicht mehr reparierbar ist.

Netteste Begegnung: Am ersten Abend in Puerto Natales lernen wir Tomás beim Bouldern kennen. Er arbeitet als Kletterführer und ist sofort offen und humorvoll. Wir wollen am Sonntag eigentlich zusammen klettern, aber er hat am Tag davor ein Konzert und ist daher nicht so ganz in Form 😀 Aber wir haben vielleicht noch ein paar Möglichkeiten 🙂

Leckerste Neuentdeckung: Wir essen, weil es so gut ist, vier mal hintereinander Nudeln mit Soja-Hack und Tomatensoße (wahlweise anderes Gemüse).

Ein Kommentar zu “Im wahrsten Sinne holprig

  1. Hallo Anne,
    mir gefallen Eure Infos total gut.
    Ich habe eine Kollegin aus Chile, die Euch gerne sowohl auf Insta, als auch hier folgen möchte. Wäre das für Euch o.k.?
    Ich schicke Dir an Deine Mailadresse eine Mail von Ihr, mit Infos zu Sehenswürdigkeiten und vieles mehr. Ich hoffe, Du kannst es lesen.
    Falls nicht, dann schreib mir gerne (auch über Insta) wo/wie ich Euch die Infos sonst schicken soll.
    Viel Spass Euch noch und bleibt gesund uns munter!.
    Ganz liebe Grüße
    Moni

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